Nachhaltig leben

Stecklinge selber ziehen

Wer gerne Sträucher vermehren möchte, kann anstatt einer langwierigen Aussaat ganz einfach Stecklinge machen. Bei dieser alten Kulturtechnik schneidet man einen Teil der Pflanze ab und bringt ihn dazu Wurzeln zu bilden, sodass eine eigene Pflanze heranwächst. Der Sommer ist die beste Zeit dafür, denn nach dem Austrieb im Frühjahr kann es losgehen.

Ob Kräuter, Zier- oder Obststräucher, mit der Stecklingsvermehrung können Sie sich viele krautige und strauchförmige Arten in den Garten und in den Topf holen. Viele mehrjährige Kräuter lassen sich zum Beispiel ideal durch Stecklinge vermehren, wie Thymian, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei und Lavendel. Auch mit vielen Zierpflanzen wie Flieder, Buchsbaum, Oleander, Hibiskus, Geranien und wurzelechte Rosen gelingt es leicht. Sogar Gehölze wie Zierquitten, Scheinzypressen und Lebensbäume, lassen sich mit Stecklingen vermehren.
Beliebt ist auch die Vermehrung von Beerensträuchern wie Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren, das wird jedoch am besten im Herbst gemacht.

Das Prinzip ist ganz einfach – ein junger Trieb der Pflanze wird abgeschnitten und in Erde gesetzt. Wichtig beim Schneiden des Stecklings ist, dass an den Schnittstellen eine Knospe oder ein Knospenpaar sitzt, Sie also direkt ober- bzw. unterhalb einer Knospe bzw. Knospenpaares schneiden. Denn hier liegt das meiste teilungsfähige Gewebe und die größte Konzentration an Wuchsstoffen, sodass die Bildung der Wurzeln angeregt wird.

Folgendes sollten Sie außerdem beachten, damit es gelingt:

  1. Nur die jungen Triebe verwenden, die noch nicht verholzt sind
  2. Die Schnitte müssen unbedingt mit einem scharfen Messer gemacht werden,
    um den Trieb nicht zu quetschen.
  3. Ein Steckling sollte mindestens ein Internodium lang sein, das heißt mindestens einmal den Abschnitt zwischen zwei Knospen oder Knospenpaaren umfassen. Beim stark verzweigten Thymian ist dadurch der Steckling nur wenige Zentimeter lang.
  4. Entfernen Sie die unterste Blattetage, weil die Blätter sonst im Kontakt mit der Erde faulen.
  5. Bei Pflanzen mit großen Blättern wie Hibiskus können Sie die Blätter halbieren,
    damit weniger Wasser verdunstet.
  6. Nun können Sie die Stecklinge in Töpfe mit lockerer Erde stecken und gut feucht halten.
  7. Ideal ist es, wenn sich Ihre Pflanzgefäße abdecken lassen, z.B. mit einem Mini-Gewächshaus. So vermeiden Sie, dass die Stecklinge austrocknen. Lüften nicht vergessen!
  8. Wenn die Stecklinge austreiben, können Sie die Haube öfter abnehmen. Nun hat die Pflanze schon die ersten Wurzeln gebildet

Um Obststräucher wie Johannisbeeren und Stachelbeeren zu vermehren, schneiden Sie Steckhölzer. Das sind bleistiftdicke Abschnitte von den einjährigen frischen Trieben. Sie sollten zwischen 15-20 cm lang sein und werden im Freiland tief in humusreiche Erde gesteckt, sodass nur die letzte Knospe rausschaut. Die beste Zeit für Steckhölzer ist der Herbst, denn dann treiben sie im Frühjahr aus und haben einen idealen Start.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Kerngehäuse e.V.  

Zur Autorin des Gastbeitrags:

Ani Galustian ist Projektmitarbeiterin der Kompetenzstelle Streuobst im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Beruflich und privat beschäftigt sie sich gerne mit Themen rund um Natur, Garten und Selbermachen. Mit unserem Kooperationspartner Kerngehäuse e.V. teilt sie die Begeisterung für das Thema Streuobstwiesen mit allem was dazu gehört. Der Kerngehäuse e.V. setzt sich im Süden Brandenburgs mit vielfältigen Aktivitäten für die Erhaltung und Förderung von Streuobstwiesen ein. Weitere Informationen unter essbarer-naturpark.de.